Alf Wandenelis Christophorus: Eine symbolische Begleitung
Ein Werk zwischen Licht und Verantwortung
Im Zentrum des Refugiums im Sovereign Store Münster hängt ein Werk, das auf den ersten Blick still wirkt – und gerade dadurch seine Tiefe entfaltet: das Christophorus-Bild des Künstlers Alf Wandenelis.
Es stammt ursprünglich aus der Kirche von Warnemünde und entstand aus einem Schatten. Genauer: aus dem Schatten einer fast vier Meter hohen Christophorus-Statue, deren Umriss der Künstler einfing, weiterentwickelte und schließlich zu einem eigenständigen Kunstwerk transformierte.
Wandenelis verwendete dafür Rügener Kreide, die in einem aufwendigen Sandwichverfahren mit Leinölfirnis verbunden wurde. So entstand eine Oberfläche von außergewöhnlicher Dichte und Tiefe – matt und zugleich leuchtend, archaisch und modern.
Das Bild wirkt wie eine Erinnerung an etwas, das da war – ein Nachbild des Heiligen, das zum Sinnbild des Menschlichen geworden ist.
Vom Schatten zur Gestalt
Die Entstehung aus einem Schatten ist kein Zufall. Sie ist Programm. Was als Projektion begann, wurde zur eigenen Gestalt. Wandenelis’ Christophorus ist keine Kopie der Statue, sondern eine Verwandlung des Flüchtigen in Dauer – und damit eine stille Meditation über das Verhältnis von Last, Licht und Verantwortung.
Im schwankenden Licht des Refugiums wirkt das Bild wie eine Einladung zur Kontemplation. Die Figur ist nur angedeutet – ein Umriss, der Halt sucht, ohne ihn zu erzwingen. Gerade die Unschärfe, das Fragmentarische, macht die Kraft des Werkes aus: Es ist kein religiöses Abbild, sondern ein symbolisches Echo auf die Frage, was es bedeutet, zu tragen – und getragen zu werden.
Christophorus als Leitfigur
Traditionell gilt Christophorus als derjenige, der das Christuskind sicher durch ein gefährliches Gewässer trägt – ein Sinnbild für Fürsorge, Verantwortung und Geleit. In dieser Bedeutung schwingt eine erstaunliche Nähe zu dem mit, was Sovereign im übertragenen Sinn leistet: Juristinnen und Juristen, die andere sicher durch unübersichtliche Gewässer führen, die Last mittragen, Orientierung geben und die Verantwortung nicht scheuen.
So wie Christophorus den Fluss durchquert, begleitet auch Sovereign Menschen durch rechtliche, gesellschaftliche und persönliche Übergänge. Das Bild von Wandenelis wird damit zu einer ikonischen Brücke zwischen Kunst und Recht – zwischen dem Schutz, den man sucht, und der Haltung, die man gewinnt.

Ein Bild für den Ort
Dass dieses Werk seinen Platz im Refugium gefunden hat, ist konsequent. Der Raum ist bewusst als Ort der Sammlung gestaltet – als Gegenpol zur Geschwindigkeit der Welt. Hier findet das Werk Resonanz und gibt dem Raum zugleich Tiefe. Es erinnert daran, dass Souveränität nicht Abgrenzung bedeutet, sondern das bewusste Tragen einer Aufgabe.
Der Christophorus von Alf Wandenelis begleitet diese Haltung in besonderer Weise. Der aus der DDR stammende Künstler schuf das Werk ursprünglich für seine Heimatgemeinde, die Warnemünder Kirche. Jahre später, nachdem es in Vergessenheit geraten war, begegneten wir uns in Lübeck, wo Alf Wandenelis seit vielen Jahren lebt. Wir sprachen über unser beider Verständnis von Verantwortung – er als Künstler, ich als Anwalt. Wir waren uns einig, dass dieses Bild zu einem Selbstverständnis passt, das in Sovereign nun sichtbare Gestalt angenommen hat.
Der Christophorus von Alf Wandenelis, entstanden aus dem Schatten einer Statue, ist ein Werk von eigener, stiller Kraft. Er erinnert daran, dass Tragen nicht Last bedeutet, sondern Verantwortung. Dass Recht nicht Kontrolle heißt, sondern Vertrauen. Und dass Souveränität dort beginnt, wo man das Gewicht annimmt, anstatt es abzuwerfen.
Ein Werk, das nicht belehrt, sondern begleitet. Ein Bild, das den Besucher anschaut, ohne zu fordern. Ein Begleiter – genau wie sein Name.
Kunst als Teil des Ganzen
Mit dem Christophorus von Alf Wandenelis beginnt die Geschichte von sovereign.art, der künstlerischen Dimension des Projekts. Denn Souveränität ist nicht nur ein jurischer, sondern auch ein ästhetischer Begriff. Sie zeigt sich in der Art, wie man die Welt sieht – und wie man sich ihr stellt.
Das Werk ist damit mehr als Dekoration. Es ist eine symbolische Begleitung – für den Raum, für das Projekt, für die Menschen, die hier arbeiten und beraten.