Wie wird Recht in unserem Alltag sichtbar? Interview mit Florian Fitz
Souveränität beginnt im Studium
Wer aufrecht stehen will, muss erst einmal lernen zu gehen. Diese schlichte Wahrheit gilt auch für das Recht. Bevor man als Bauherr, Planerin oder Verwaltungsmitarbeiter souverän mit rechtlichen Fragen umgeht, durchläuft man einen Prozess der Überforderung, der Orientierung und – wenn es gut läuft – der schrittwei sen Aneignung. Jurastudierende kennen diesen Weg besonders gut. Sie beginnen mit dem Gefühl, in einem Labyrinth zu stehen: überall Paragrafen, Urteile, Auslegungs fragen. Die erste Klausur ist selten ein Triumph. Das Studium verlangt nicht nur Fleiß, sondern eine Form von Selbstdisziplin, die vielen fremd ist. Es fordert die Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem weiterzumachen. Und es belohnt – manchmal unver ho t – mit Momenten der Klarheit: dem Aha-Erlebnis, dass eine komplexe Struktur plötzlich Sinn ergibt. Warum erzählen wir das in einem Magazin, das sich an Bauherren, Architektinnen und Immobilienprofis richtet? Weil der Prozess, den Studierende durchlaufen, paradigmatisch ist für jeden Umgang mit Recht. Auch wer nicht Jura studiert hat, steht irgend wann vor der Frage: Wie gehe ich mit Verträgen um? Wie lese ich eine Baugenehmigung? Wie bewerte ich rechtliche Risiken? Die Antwort ist nie: „Ich verstehe sofort alles.“ Die Antwort ist immer: „Ich lerne, mich zu orientieren.“ Genau hier setzt das Konzept von Sovereign an. Der Sovereign Store am Roggenmarkt in Münster – unser „Kloster der Moderne“ – ist kein Ort für fertiges Wissen. Er ist ein Ort für den Prozess des Verstehens. Ein Raum, in dem man zur Ruhe kommt, nachfragt, sich austauscht. Wo langjährige Expertise nicht hinter verschlossenen Türen bleibt, sondern zugänglich wird. Wo Recht nicht als Hürde erscheint, sondern als Werk zeug, das man lernen kann zu nutzen. Dieses Interview mit Florian Fitz, Student der Rechtswissenschaft im 5. Semester an der Universität Münster, ist deshalb mehr als ein Blick in den Studienalltag. Es ist eine Erinnerung daran, dass Souveränität nicht voraussetzungslos ist. Sie muss erworben werden – durch Orientierung, durch Austausch, durch die Bereitschaft, Unsicherheit in Kompetenz zu verwandeln. Und genau das ist die Grundidee hinter Sovereign: Menschen nicht allein zu lassen auf diesem Weg.
Die Rechtswissenschaft hat den Ruf, trocken und hart zu sein. Was war deine erste prägende Erfahrung?
Meine erste Klausur war ehrlich gesagt ziemlich überfordernd. Ich glaube, das geht vielen am Anfang so. Gleichzeitig war es spannend, die verschiedenen Bereiche wie öffentliches Recht oder Zivilrecht zu entdecken und herauszufinden, was einem persönlich liegt. Man muss sich da erst einmal zurechtfinden.
Und wann hattest du erstmals das Gefühl, dass die Inhalte tatsächlich etwas mit dem echten Leben zu tun haben?
Im BGB oder Schuldrecht merkt man schnell den Praxisbezug; das ist am ehesten auf das echte Leben anwendbar. Mein erster Schwerpunkt war Kartellrecht, das war ebenfalls sehr nah an der Realität und dadurch interessant. Generell ist alles, was mit Wirtschaft und Verträgen zu tun hat, greifbarer als beispielsweise das abstrakte Verfassungsrecht.
Du sprichst von „sich zurechtfinden“! Wie bist du mit der Unsicherheit am Anfang umgegangen?
Das ist ehrlich gesagt ein Dauerthema. Man fühlt sich oft unsicher, gerade wenn man merkt, wie viel man noch nicht weiß. Was hilft, ist der Austausch mit Kommilitonen. Man merkt: allen geht es ähnlich. Und irgendwann entwickelt man ein Gefühl dafür, wo man nachschlagen muss und wo man sich auf sein Verständnis verlassen kann. Aber diese Unsicherheit verschwindet nie ganz – sie wird nur handhabbarer.
Wie sieht es mit Erfolgs- oder Frustrationsmomenten aus? Gibt es die berühmten Aha-Momente?
Aha Momente gibt es gefühlt jede Woche – genauso oft wie frustrierende. (Lacht) Die Rechtslehre kann einen belohnen, aber auch bestrafen. Die besten Erfolgsmomente sind die, in denen man glaubt, die Übersicht verloren zu haben, und dann durch eine Klausur oder in der AG doch die Bestätigung bekommt, dass man die Struktur verstanden hat. Die wichtigste Erkenntnis ist aber: Alle sind etwas überfordert, und man ist nicht alleine damit.
Verändert das Studium deinen Blick auf den Alltag oder die Art, wie du argumentierst?
Definitiv. Ich merke das besonders bei politischen Diskussionen, etwa in der Gesundheitspolitik. Man denkt viel strukturierter und vielleicht weniger ideologisch, dafür pragmatischer und realistischer. Man fragt sich zuerst: „Ist das überhaupt juristisch erlaubt?“ und nicht nur „Entspricht das meiner Weltanschauung?“ Man wird rationaler, vielleicht auch mit weniger Emotion.
Hattest du schon Momente, in denen du dachtest, dass Recht und Gerechtigkeit zwei völlig verschiedene Dinge sind?
Ja und nein. Man begegnet natürlich persönlichen Schicksalen. Ich kenne den Fall einer Mutter, deren Tochter bei einer Operation schwere Schäden erlitten hat. Da hat man schnell das Gefühl, dass die Entschädigung nicht gerecht ist. Aber das Studium lehrt einen, rationaler zu denken und zu fragen: „Warum ist das rechtlich so?“ Die Auseinandersetzung damit, ob das, was als Recht umgesetzt wird, auch gerecht ist, ist eine zentrale und immerwährende Frage des Studiums.
Fühlst du dich durch dein Wissen in Diskussionen manchmal souveräner?
Ja, in gewissen Diskussionen definitiv. Wenn es um Bereiche geht, mit denen ich mich intensiv beschäftige, wie das Staatsrecht, fühle ich mich viel sicherer und souveräner. Man hat gefühlt einen Vorteil, auch wenn es manchmal schwierig ist, diesen umzusetzen, weil das Gegenüber vielleicht nicht auf derselben Faktenebene diskutiert.
Was würde dir helfen, noch souveräner zu werden – im Studium, aber auch später im Beruf?
Ehrlich gesagt: Zugang zu Expertenwissen, ohne dass man sich scheuen muss, „dumme“ Fragen zu stellen. Im Studi um hilft der Austausch mit Kommilitonen, aber es gibt immer wieder Momente, wo man denkt: „Ich bräuchte jetzt jemanden, der mir das wirklich erklärt – nicht belehrend, sondern auf Augenhöhe.“ Einen Ort, an dem man zur Ruhe kommen und strukturiert nachdenken kann. Und Werkzeuge, die einem helfen, komplexe Sachverhalte zu durchdringen.
Wenn du eine Sache am Jurastudium ändern könntest, was wäre das?
Interessanterweise wenig. Zwar hat wohl jeder Student mal Momente, in denen er das Studium als „blöd“ empfindet, aber das System ist eigentlich gut aufgebaut. Es beruht stark auf Selbstdisziplin und Eigenverantwortung. Man muss wissen, wo rauf man sich einlässt, und die Zeit selbst investieren. Man muss auch akzeptieren, dass man nicht in jedem einzelnen Fachgebiet perfekt sein kann. Es ist ein Studium, das einen stark zum Selbststudium erzieht.
Wir haben dir am Anfang den Sovereign Store vorgestellt – einen Ort in Münster, der versucht, genau diese Lücke zu schließen: Zugang zu Wissen, Austausch, Orientierung. Was hältst du von diesem Ansatz?
Ich finde das sehr spannend, gerade weil es nicht nur darum geht, Antworten zu liefern, sondern einen Raum zu schaffen, in dem man selbst Antworten finden kann. Das ist ein Unterschied. Im Studium läuft vieles darauf hinaus, dass man sich Wissen selbst er arbeitet – aber oft fehlt die Orientierung. Ein Ort, der beides verbindet – Expertise und die Möglichkeit zur eigenen Reflexion – das klingt sehr zukunftsfähig. Gerade in einer Zeit, in der Recht immer komplexer wird und nicht nur Juristen betrifft.
Vom Studium zur Souveränität
Florian Fitz’ Beschreibung seines Studiums liest sich wie ein Lehrstück über den Erwerb von Souveränität. Er spricht von Überforderung und Struktur, von Un sicherheit und Aha-Momenten, von der Notwendigkeit, Eigenverantwortung zu übernehmen – und von der Erkenntnis, dass man nicht allein ist. Diese Erfahrungen sind nicht exklusiv für Jura studierende. Jeder, der mit Bau- und Immobilienrecht zu tun hat, durchläuft ähnliche Prozesse: die erste Bau genehmigung, der erste Werkvertrag, die erste Ausei nandersetzung mit einem Architekten oder Bauunternehmen. Auch hier gibt es Überforderung. Auch hier braucht es Orientierung. Auch hier hilft es, nicht allein zu sein. Der Sovereign Store versteht sich als Antwort auf genau diese Herausforderung. Er ist kein Ort, an dem fertige Lösungen verkauft werden. Er ist ein Raum, der den Prozess des Verstehens unterstützt – durch Zugang zu Wissen, durch Austausch mit Gleichgesinnten, durch die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und strukturiert nachzudenken. Das „Kloster der Moderne“ ist keine Metapher für Weltflucht, sondern für Konzentration: ein Ort, an dem Komplexität nicht ausgeblendet, sondern handhabbar gemacht wird. Souveränität ist kein Zustand, den man erreicht und dann besitzt. Sie ist ein fortwährender Prozess der Aneignung – und genau deshalb braucht sie Orte wie Sovereign. Orte, die nicht nur Antworten geben, sondern Menschen befähigen, ihre eigenen Antworten zu finden. Florian Fitz hat das am Ende des Gesprächs treffend formuliert: „Ein Ort, der Expertise und die Möglichkeit zur eigenen Reflexion verbindet – das klingt sehr zukunftsfähig.“ Genau das ist die Vision hinter Sovereign: Recht nicht als Hindernis, sondern als Werkzeug. Nicht als fremde Macht, sondern als er lernbare Kompetenz. Nicht als Einzelkampf, sondern als gemeinsamer Weg.